Über mich

 

portrait_rudolf_kratzert.jpgIch empfinde es als großes Glück, dass ich zwei Berufe erlernt habe und ausübe, in denen ich nicht nur „mich selbst verwirklichen“, sondern mit deren Hilfe ich auch vielen anderen Menschen Wege zu ihren eigenen Zielen aufzeigen kann.

Da ich schon in meiner Kindheit mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen konnte, war es für mich, als ich 1966 mein Abitur machte, klar, dass ich Musik studieren würde. Ich hatte das Glück, in die Klavierklasse bei Gerhard Puchelt in Berlin aufgenommen zu werden. Durch Puchelts in höchstem Maße anregenden Klavierunterricht entdeckte ich so viele interessante Aspekte des Klavierspiels und seiner unvergleichlich reichen Literatur, dass ich meinen ursprünglichen Plan, Komposition und Dirigieren zu studieren, aufgab, um Pianist und Klavierlehrer zu werden. Noch heute zähle ich Gerhard Puchelt, besonders als Interpreten der deutschen Romantik, zu den bedeutendsten Pianisten seiner Zeit. 1971 schloss ich bei ihm mein Klavierstudium gleichzeitig mit der Staatlichen Musiklehrerprüfung und der Künstlerischen Reifeprüfung ab.

Im Studienjahr 1971/72 studierte ich als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bei Carlo Zecchi an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Auch Zecchi war ein bedeutender Musiker, ganz besonders als Dirigent.

Ab Herbst 1972 verdiente ich meinen Lebensunterhalt als Klavierlehrer an drei Musikschulen des Kantons Baselland (Schweiz). Daneben besuchte ich ein Fortbildungsstudium bei Walter Kamlet an der Musikakademie in Basel. 1973 erhielt ich einen Ruf als Klavierlehrer an das Kantonale Lehrerseminar in Liestal.

1975 nahm ich eine Stelle als Klavierlehrer, stellvertretender Chorleiter und Leiter von Kammermusik-Ensembles an den Salemer Schulen an. Diese Tätigkeiten ließen mir noch genügend Zeit zum Klavierüben und zum Konzertieren. Auch nahm ich noch weiter Unterricht als Privatschüler bei Walter Kamlet in Basel. Dieser ungewöhnliche Mann war in seinem pianistischen und klavierpädagogischen Wissen unschlagbar – ja vielleicht auf fast jedem denkbaren Gebiet überhaupt. Bis zum Jahr 1983 fuhr ich immer wieder nach Basel, um bei ihm zu lernen.

Noch während meiner Basler Jahre lernte ich die Alexander-Technik kennen. Ich nahm so viele Stunden wie möglich bei der englischen Alexander-Lehrerin Elizabeth Langford, wenn sie „auf Tournee“ in Basel war. Zunächst gedachte ich, die Alexander-Technik vor allem für ein verbessertes pianistisches Leistungsniveau bei weniger Anstrengung und für bessere Nerven auf dem Podium zu erlernen. Dann aber konnte ich nicht mehr umhin einzusehen, dass es sich bei der Alexander-Technik um eine Sache von so universeller Bedeutung handelt, dass ich immer tiefer in ihre Gedankenwelt eindringen wollte. Zunächst aber boten sich fast keine Möglichkeiten, Unterricht zu erhalten. Die Alexander-Technik war zu dieser Zeit noch nicht weit verbreitet auf dem Kontinent. Die Lösung für dieses Problem sollte später kommen.

1980 erhielt ich eine Dozentur an der Berufsbildenden Abteilung der Musikakademie in Kassel für das Hauptfach Klavier und die Methodik/Didaktik des Klavierspiels. Hier lernte ich zum ersten Mal, was es heißt, junge Menschen möglichst umfassend auf den Beruf als Klavierlehrer vorzubereiten. Natürlich braucht es Jahre, bis man dies beherrscht. Die Möglichkeiten während einer solchen Ausbildung sind leider sehr begrenzt. Bei noch so großem Zeit- und Energie-Einsatz bleibt diese Art der Ausbildung weit hinter ihren Notwendigkeiten zurück. (s. KLAVIER INTENSIV).

1982 gelang es mir, Elizabeth Langford für die Idee zu gewinnen, regelmäßig für ganze Wochen nach Kassel zu kommen, um dort Alexander-Stunden zu geben. Ab 1983 begannen wir, gemeinsam Klavierseminare in Kombination mit Alexander-Technik abzuhalten, die bald zu einer bekannten Institution werden sollten. Auch für Musikschullehrer anderer Disziplinen leiteten wir viele Fortbildungskurse. Dazu kamen und kommen bis heute – nach meiner Ausbildung zum Alexander-Lehrer – zahlreiche Klavierkurse in Kombination mit Alexander-Technik an den verschiedensten Musikhochschulen, die ich alleine abgehalten habe.

Von 1984-87 konnte ich, sowohl in Kassel als auch in Somerset/England, bei Elizabeth Langford die Ausbildung zum Alexander-Lehrer machen. Ich hatte auch hier wieder das Glück, von einer so überragenden Lehrerin und Meisterin ihres Faches unterrichtet zu werden.

Nun hatte ich also zwei Berufe. Als Alexander-Lehrer konnte ich vielerlei Erfahrungen über die unbegrenzten Lernmöglichkeiten des Menschen machen - Erfahrungen, die mich immer wieder neu in Erstaunen versetzen und die zu meiner eigenen Weiterentwicklung unverzichtbar sind. Besonders spannend fand und finde ich, Menschen von verschiedenstem Alter und Beruf unterrichten zu können.

Im Jahr 1995 machte ich mich dann endlich beruflich selbständig und gründete das Projekt KLAVIER INTENSIV. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen, erlebe ich doch immer wieder, wie ich konzertierenden und unterrichtenden Pianisten zu einem von Sorgen und Nöten befreiten Klavierspiel verhelfen kann und wie ihre wahren Fähigkeiten immer ungehinderter zum Tragen kommen.

2002 erschien bei Bärenreiter die erste Auflage - 2004 die zweite - meines Buches „Technik des Klavierspiels“. Diese Summe meines Nachdenkens über Klaviertechnik ist ein praktisches Handbuch geworden und es scheint – nach dem guten Verkauf und den zahlreichen positiven Leserbekundungen zu schließen – ein Buch zu sein, auf das viele Pianisten nur gewartet haben. Zurzeit ist eine Übersetzung ins Englische in Vorbereitung.